Projekt: Zweiter Bürger*innenrat des Flecken Ottersberg
Bürgerinnen und Bürger erstellen die Grundlagen für einen neuen Bebauungsplan.
In der hier gewählten Variante setzt sich der Bürger*innenrat am 13. September aus 22 per Zufall ausgewählten Bürger*innen (ab 16 Jahren) des Fleckens Ottersberg zusammen. Aus persönlichen Gründen konnten leider nur noch 20 Personen am zweiten Tag teilnehmen.

Blick in den Bürger*innenrat
Zur inhaltlichen Vorbereitung des Bürgerrates fand ein Austausch mit der kommunalen Steuerungsgruppe, ein Gespräch mit dem Investor sowie eine Abendveranstaltung mit den Eigentümer*innen der anliegenden Grundstücke statt. Gemeinsam mit der Verwaltung wurden auf dieser Grundlage die Kernfragen der Veranstaltung ebenso wie der Rahmen der zu präsentierenden Inhalte definiert. So konnten am eigentlichen Beteiligungswochenende Impulsgeberinnen dazu beitragen in einem mehrstufigen Meinungsbildungsprozess tragbare Ergebnisse zu erarbeiten.
Am 13. und 14. September fand in Ottersberg der Bürger*innenrat „Bauen und Wohnen in Fischerhude-Quelkhorn“ statt. Ziel des Verfahrens war es, konkrete Empfehlungen für die zukünftige Entwicklung eines Baugebiets auf einer ehemaligen Hofstelle zu erarbeiten. Die Ergebnisse basieren methodisch auf Elementen der sogenannten „Planungszelle“ nach Peter C. Dienel und wurden im Rahmen eines strukturierten, dialogorientierten Beteiligungsprozesses entwickelt.
Projektdesign und Ablauf
Der Bürgerinnenrat setzte sich aus 22 zufällig ausgewählten Einwohnerinnen des Fleckens Ottersberg ab 16 Jahren zusammen. Am zweiten Veranstaltungstag nahmen noch 20 Personen teil. Zur Vorbereitung wurden Gespräche mit der kommunalen Steuerungsgruppe, dem Investor sowie den Eigentümer*innen angrenzender Grundstücke geführt. Gemeinsam mit der Verwaltung wurden zentrale Fragestellungen und Inhalte definiert.
Während des Beteiligungswochenendes erhielten die Teilnehmenden fundierte Impulse aus unterschiedlichen Perspektiven. In einem mehrstufigen Prozess aus Information, Diskussion und Reflexion – insbesondere in wechselnden Kleingruppen – wurden darauf aufbauend gemeinsame Positionen und Empfehlungen erarbeitet. Die Ergebnisse wurden dokumentiert, zusammengefasst und durch eine Lektor*innengruppe aus dem Kreis der Teilnehmenden gegengelesen.

Ablauf einer Arbeitseinheit
Zentrale Orientierungspunkte
Nach der Informationsphase verständigten sich die Teilnehmenden auf folgende Prioritäten für die Bauleitplanung:
- Klima- und ressourcenschonendes Bauen auf der ehemaligen Hofstelle
- Entwicklung eines umfassenden Wassermanagement-Konzepts für Alt- und Neubestand
- Sicherstellung von Nahversorgung (z. B. Kiosk)
- Schutz von Natur (Flora und Fauna)
- Verkehrsberuhigung, insbesondere im Bereich Bodderweg
- Soziale Durchmischung mit besonderem Blick auf ältere Menschen
- Begrenzung der Flächenversiegelung
- Förderung gemeinschaftlicher Wohn- und Lebensformen
Aus diesen Gewichtungen wurden zwei zentrale Empfehlungen abgeleitet:
1. Klima- und ressourcenschonendes Bauen auf der ehemaligen Hofstelle
Die Bebauung soll nachhaltig erfolgen, unter Einsatz umweltfreundlicher Materialien und unter Berücksichtigung moderner Klimaanforderungen
2. Minimale Versiegelung und integriertes Wassermanagement
Das Gebiet soll durch geringe Flächenversiegelung und gezielte Maßnahmen zum Umgang mit Starkregen und Hochwasser aktiv zum Klimaschutz beitragen.
Ergebnisse der Gruppenarbeit
In einer abschließenden Arbeitsphase entwickelten die Teilnehmenden vier konkrete Entwürfe für das Gebiet. Daraus lassen sich folgende gemeinsame Empfehlungen ableiten:
Empfehlungen:
- Bebauung der Hofstelle mit Mehrfamilienhäusern
Alle Gruppen sprechen sich für eine konzentrierte Wohnbebauung auf der Hofstelle aus. - Begrenzung des PKW-Verkehrs
Der motorisierte Verkehr soll möglichst reduziert und primär über den Bodderweg geführt werden. - Schonender Umgang mit umliegenden Flächen
Eingriffe außerhalb der Hofstelle sollen minimal bleiben und insbesondere Aspekte des Wassermanagements berücksichtigen. - Schaffung von Begegnungsorten
Gemeinschaftsflächen sowie ein möglicher Treffpunkt wie ein Café oder Kiosk sollen das soziale Miteinander stärken.
Ergebnisforum
Die Ergebnisse des Bürgerrates wurden der Öffentlichkeit präsentiert. In der anschließenden Diskussion ging es primär um die Begrenzung der Anzahl der Wohneinheiten.
Ergebnisforum
Aufstellungsbeschluss
Auf Grundlage dieser Ergebnisse wurde ein Jahr später der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst. Ergänzend zu den Ergebnissen des Bürger*innenrates wurde eine Begrenzung auf 60 Wohneinheiten beschlossen.
Fazit
Der Bürger*innenrat zeigt deutlich: Eine zukünftige Entwicklung in Fischerhude-Quelkhorn soll sich an ökologischen, sozialen und gemeinschaftlichen Prinzipien orientieren. Im Mittelpunkt stehen nachhaltiges Bauen, der Schutz natürlicher Ressourcen sowie die Förderung eines lebendigen und inklusiven Quartiers.
Die erarbeiteten Empfehlungen bieten eine fundierte Grundlage für die weiteren planerischen Entscheidungen und spiegeln die Perspektiven der Bürgerschaft in strukturierter und ausgewogener Weise wider.
Dokumentation des Bürger*innenrates Ottersberg: 2024-10-15 Dokumentation Bürgerrat Ottersberg