Von Bürgeraktien spricht man, wenn eine (kommunale) Aktiengesellschaft ihre Aktien zielgerichtet an die Bürger ihres Gemeinwesens verkauft — zum Beispiel, wenn Stadtwerke in eine privatrechtliche Form umgewandelt und nicht an ortsfremde Investoren oder Großunternehmen, sondern an Bürger verkauft werden, aber auch, wenn sie nur ihr Kapital erhöhen wollen und die Mehrheit im städtischen Besitz bleibt. Damit wird beabsichtigt, dass die Aktionäre nicht nur eine Dividende und Wertsteigerungen erwarten, sondern die öffentlichen, übergeordneten Ziele des Unternehmens unterstützen. Im Gegenzug wollen solche Aktionäre oft einen gewissen Einfluss auf ihr Unternehmen haben. Dann betrachten sie es als wirklich ihres, verhindern die Übernahme durch auswärtige Unternehmen und entwickeln Verantwortung für den öffentlichen Betrieb.

Statt der Aktiengesellschaft sind auch andere Rechtsformen möglich (GmbH, Fonds usw.).

Beispiele sind die Herten-Fonds der Stadtwerke Herten GmbH und die Elektrizitätswerke Schönau GmbH.

Streng genommen, handelt es sich trotzdem nicht um Bürger-Aktien, denn dazu müsste jeder Bürger eine Aktie (und nur eine) haben. Die Aktionäre stammen aus dem Kreis der Bürger, sind aber nicht die Bürger. Zum Bürger gehört es heute, dass jeder eine Stimme hat. Das wäre zum Beispiel der Fall bei einer Genossenschaft, der alle Bürgerinnen und Bürger angehören. Bei Aktiengesellschaften und GmbHs wird aber nach Kapitalanteil abgestimmt: Wer hundert Aktien hat, hat hundert Stimmen, wer nur eine hat, hat nur eine Stimme.

Trotzdem gibt die „Bürgeraktie“ interessante Möglichkeiten, öffentliche und andere Unternehmen der Bürgerschaft zu öffnen und sie besser dort zu verankern.

Es ist zum Beispiel möglich, jedem Bürger/jeder Bürgerin nur eine bestimmte Zahl von Aktien zuzuteilen und damit eine gewisse Gleichheit herzustellen und zu verhindern, dass reichere Bürger(innen) mehr Einfluss bekommen.

Andere Formen der kapitalmäßigen Bürgerbeteiligung sind Bürgerstiftungen (siehe dort).

Siehe auch:

Bürgerstiftung